Bei einer kürzlicher Diskussion wurde mir wieder einmal klar, dass man nicht davon ausgehen sollte, dass Institutionen, Methoden, Literatur, etc allgemein bekannt sind nur weil sie im eigenen Feld ständig verwendet werden. IPCC, Weltklimarat, Klimabericht,… Diese Namen zumindest haben die meinsten schon einmal irgendwo gehört. Nicht zuletzt das Paris Agreement hat ihnen wieder eine etwas breitere Aufmerksamkeit verschaft. Aber gleichzeitg werden in diesem Zusammenhang oft so viele Begrifflichkeiten verwendet, dass es schwer ist den Überblick zu behalten.

Schon der erste Satz des deutschen Wikipedia Artikels zum Pariser Übereinkommen, führt zu Begriffen wie UNFCCC, Kyoto Protokoll, COP21, COP15, WHO, UNEP und nicht zuletzt auch zum IPCC. Ich möchte mich hier daher auf die zwei wesentlichsten Fragen beschränken:

Was sind die IPCC Berichte und was wollen sie erreichen?

IPCC steht für Intergovernmental Panel on Climate Change oder auf deutsch etwas sperrig: Zwischenstaatlicher Ausschuss für Klimaänderungen. Einen guten (deutssprachigen) Überblick über Institutione, Abläufe und Begriffe finden man auf der Homepage der Deutschen IPCC-Koordinierungsstelle. Der IPCC veröffentlicht in mehr oder weniger  regelmäßigen Abständen sogenannte Sachstandsberichte, die auf englisch Assessment Reports (ARs) genannt werden. Bisher sind 5 davon erschienen, mit den kreativen Namen FAR (First Assessement Report), SAR (Second AR), TAR (Third AR), AR4 (da FAR schon vergeben war…) und AR5. Dazu gibt es eine ganze Reihe von Sonderberichten (en. Special Reports – SR) zu verschieden spezifischen Klima-Relevanten Themen (hier ein Überblick). Das Pariser Übereinkommen hat eine ganze Reihe von Sonderberichten ausgelöst, die speziell auf relevante Themen eingehen und noch vor dem nächsten ordentlichen Sachstandsbericht erscheinen sollen:

  • SR15 (2018): Ein Sonderbericht zum 1,5 Grad Ziel, das vom Pariser Übereinkommen angepeilt wird.
  • SROCC (2019): Ein Sonderbericht zu Ozeanen und Kryosphäre unter Klimawandel
  • SRCCL (2019): Ein Sonderbericht zu Landnutzung und Klimawandel
  • AR6 (2021): Der nächste Sachstandsbericht

All diese Berichte sollen möglichst vollständige Sammlungen des momentan verfügbaren Wissens zu den jeweiligen Themen sein. “Momentan verfügbares Wissen” meint in diesem Fall wissenschftliche Literatur, die einen Peer-Review Prozess zur Qualitätssicherung durchlaufen hat. Der IPCC produziert selbst also keine Ergebnisse (von den Berichten selbst abgesehen) sondern sammelt diese und stellt sie möglichst präzise, ganzheitlich und nachvollziebar dar.

Das Ziel ist es Aussagen zu treffen die von fundierten wissenschaftlichen Ergebnissen untermauert werden (oder zumindest klar zu komunizieren falls die wissenschaftliche Grundlage fraglich ist). Damit sollen die Berichte eine Orientierungshilfe für (politische) Entscheidungsträger zu sein. Sie sollen aber explizit keine spezifischen Lösungswege vorschlagen oder politische Handlungsempfehlungen geben [z.B. hier].

Um dieses Ziel zu erreichen haben alle Berichte mehrere Ebenen, hier am Beispiel des AR5:

  • Der volle Bericht: Einschüchternde 4.852 Seiten, die vermutlich noch nie ein Mensch ganz gelesen hat. Falls es jemand versuchen möchte: der volle Report ist (auf Englisch) frei verfügbar.
  • Der Synthesisbericht: 164 Seiten mit vielen sogenanten Headline Statements, die die wichtigsten Ergebnisse hervorheben (und dabei immer auf die Ergebnisse des vollen Berichts referenzieren). Dieser Teil des Berichts wurde auch auf Deutsch übersetzt und ist ebenfalls frei erhältlich.
  • Die Zusammenfassung für politische Entscheidungsträger: Auf den ersten 25 Seiten des Synthesisberichts befindet sich eine nochmals kondensierte Zusammenfassung.
    • Zudem gibt es noch separate Zusammenfassungen für die drei Arbeitsgruppen (auf die ich hier nicht eingegagnen bin)
  • Schließlich gibt es auch noch den Versuch die Hauptaussagen (der ersten Arbeitsgruppe) auf 2 Seiten unterzubringen.

 

Human influence on the climate system is clear, and recent anthropogenic emissions of greenhouse gases are the highest in history.
Warming of the climate system is unequivocal, and since the 1950s, many of the observed changes are unprecedented over decades to millennia.

Zwei Aussagen aus der Zusammenfassung für Entscheidungsträger (IPCC 2014)

 

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